Die Frage lautet fast nie „Welches Shopsystem ist das beste?“, sondern „Welches passt zu unserem Sortiment, unseren Prozessen und unserer internen Kapazität?“. Trotzdem beginnen die meisten Projekte mit einer Systementscheidung, die aus Empfehlungen im Bekanntenkreis oder aus dem Angebot der erstbesten Agentur stammt. Das ist teuer, denn ein Systemwechsel nach zwei Jahren kostet mehr als der ursprüngliche Aufbau. Dieser Artikel dreht die Reihenfolge um: erst die Anforderungen, dann das System, dann der Dienstleister.
Sieben Fragen, die vor der Systemwahl beantwortet sein müssen
- 1Wie viele Artikel habt ihr — 40 oder 40.000? Und wie viele Varianten je Artikel?
- 2Verkauft ihr an Verbraucher, an Geschäftskunden oder an beide mit unterschiedlichen Preisen?
- 3Woher kommen die Produktdaten: gepflegt im Shop, aus einem ERP, aus einem PIM?
- 4Wie werden Bestellungen verarbeitet — manuell, über ein Warenwirtschaftssystem, über einen Fulfiller?
- 5Braucht ihr Mehrsprachigkeit, mehrere Währungen, Verkauf ins EU-Ausland?
- 6Wer pflegt den Shop täglich, und wie viel Zeit hat diese Person tatsächlich?
- 7Welchen Umsatz plant ihr im ersten und im dritten Jahr?
Die vier Wege im Überblick
| Kriterium | Shopify | WooCommerce | Shopware | Individual |
|---|---|---|---|---|
| Einrichtung durch Agentur | 6.000–30.000 € | 5.000–25.000 € | 15.000–70.000 € | 40.000–150.000 € |
| Laufend pro Monat | 39–400 € + Apps | 60–300 € | 200–800 € | 100–600 € |
| Transaktionsgebühr | ja, außer mit Shopify Payments | nein | nein | nein |
| Artikelzahl praktikabel | bis ca. 50.000 | bis ca. 5.000 | unbegrenzt | unbegrenzt |
| B2B-Funktionen | eingeschränkt | über Plugins | stark | beliebig |
| Wartungsaufwand | gering | hoch | mittel | mittel |
| Time-to-Market | 4–8 Wochen | 5–10 Wochen | 10–20 Wochen | 16–30 Wochen |
| Datenhoheit | beim Anbieter | bei euch | bei euch | bei euch |
Shopify: schnell live, wenig Wartung
Shopify ist ein gehostetes System. Ihr mietet Infrastruktur, Sicherheit und Updates mit — das ist der eigentliche Wert. Kein Serverbetrieb, kein Update-Risiko, kein nächtlicher Anruf, weil der Shop offline ist. Dafür bewegt ihr euch in einem geschlossenen Rahmen und zahlt bei Zahlungsabwicklung über Drittanbieter zusätzliche Gebühren.
- Passt bei: klarem B2C-Sortiment, überschaubarer Variantenlogik, kleinem Team ohne IT
- Stärke: Geschwindigkeit bis zum Launch, sehr stabile Checkout-Conversion, riesiges App-Ökosystem
- Schwäche: App-Kosten summieren sich schnell auf 150–400 € monatlich, Individuallogik nur begrenzt abbildbar
- Achtung: Bei Wechsel nehmt ihr Produkte und Kunden mit, das Theme aber nicht
WooCommerce: günstig im Einstieg, teuer im Betrieb
WooCommerce ist eine Erweiterung für WordPress und deshalb attraktiv, wenn dort bereits eine Website läuft. Der niedrige Einstiegspreis täuscht aber über die Betriebskosten hinweg: Ein produktiver Shop besteht schnell aus 20 bis 35 Plugins, die alle einzeln lizenziert, aktualisiert und getestet werden müssen.
- Passt bei: kleinen Sortimenten, bestehendem WordPress, Budget unter 10.000 €
- Stärke: volle Kontrolle, keine Transaktionsgebühren, unzählige Erweiterungen
- Schwäche: Wartungsaufwand, Performance bei vielen Artikeln, Sicherheitsrisiko durch Plugin-Ketten
- Rechnet fest mit einem Wartungsvertrag — ohne ihn ist ein WooCommerce-Shop nach zwei Jahren ein Sanierungsfall
Shopware: für Sortimentstiefe und B2B
Shopware kommt aus Deutschland, ist auf europäisches Recht ausgelegt und spielt seine Stärken bei komplexen Sortimenten, Staffelpreisen, Kundengruppen und B2B-Szenarien aus. Der Preis dafür ist ein höherer Einstiegsaufwand und die Notwendigkeit, einen Partner zu haben, der das System wirklich beherrscht.
- Passt bei: mehreren tausend Artikeln, B2B oder Hybrid, ERP-Anbindung, mehreren Vertriebskanälen
- Stärke: Regelwerke für Preise und Kundengruppen, saubere ERP-Schnittstellen, DSGVO-Nähe
- Schwäche: höhere Einstiegskosten, kleinerer Anbietermarkt als bei Shopify
Individualentwicklung: nur mit gutem Grund
Ein vollständig eigenentwickelter Shop lohnt sich selten — praktisch nur dann, wenn euer Geschäftsmodell selbst der Sonderfall ist: Konfiguratoren mit komplexer Preislogik, Abo-Modelle mit individuellen Regeln, Marktplätze mit mehreren Verkäufern. In allen anderen Fällen zahlt ihr für etwas, das Standardsysteme besser können.
Gesamtkosten über drei Jahre
Beispielrechnung für einen B2C-Shop mit rund 500 Artikeln, ohne ERP-Anbindung, mit professionellem Design und Standard-Funktionsumfang:
| Position | Shopify | WooCommerce | Shopware |
|---|---|---|---|
| Aufbau und Design | 14.000 € | 11.000 € | 24.000 € |
| Lizenz/Hosting 36 Monate | 3.500 € | 4.300 € | 10.800 € |
| Apps/Plugins 36 Monate | 5.400 € | 3.200 € | 2.900 € |
| Wartung 36 Monate | 2.200 € | 8.600 € | 6.500 € |
| Weiterentwicklung | 6.000 € | 6.000 € | 8.000 € |
| Summe 3 Jahre | 31.100 € | 33.100 € | 52.200 € |
Das Ergebnis überrascht viele: Shopify und WooCommerce landen über drei Jahre nahezu gleichauf. Der scheinbare Preisvorteil von WooCommerce beim Einstieg wird durch Wartungsaufwand aufgezehrt. Shopware ist teurer — rechnet sich aber, sobald B2B-Logik oder ERP-Anbindung ins Spiel kommen, weil beides in den anderen Systemen aufwendig nachgebaut werden müsste.
Was neben dem System dazugehört
- Produktdaten: Texte, Bilder, Attribute, Varianten — der mit Abstand größte Zeitfresser auf Kundenseite
- Produktfotografie: 15–60 € pro Artikel bei Standardaufnahmen, mehr bei Inszenierung
- Zahlungsarten: mindestens Rechnung oder Lastschrift, PayPal, Karte, Klarna — jede fehlende kostet Abbrüche
- Versand: Anbindung, Etiketten, Sendungsverfolgung, Retourenprozess
- Rechtstexte: AGB, Widerruf, Datenschutz für den Shop — vom Anwalt, nicht aus dem Generator ohne Prüfung
- Steuerliche Logik: OSS-Verfahren bei EU-Verkäufen, korrekte Umsatzsteuerausweisung
- Tracking und Consent: serverseitig, sonst verliert ihr durch Consent-Ablehnung die Datenbasis
Fünf Fehler, die Umsatz kosten
- 1Checkout mit Registrierungszwang — Gastbestellung ist Pflicht, nicht Kür
- 2Versandkosten erst im letzten Schritt sichtbar: der häufigste Grund für Kaufabbrüche
- 3Zu wenige Zahlungsarten: Kauf auf Rechnung fehlt in Deutschland in vielen Shops, die es bräuchten
- 4Produktbilder ohne Zoom, ohne Detailaufnahmen, ohne Größenbezug
- 5Kein Plan nach dem Launch: Ein Shop ohne Marketing macht keinen Umsatz, egal wie gut er gebaut ist
Systemwahl vor Angebotseinholung
Wir gehen mit euch die sieben Fragen durch und sagen euch, welches System zu eurem Sortiment und euren Prozessen passt — auch wenn wir es am Ende nicht umsetzen.
Shop-Beratung anfragenHäufige Fragen
Was kostet es, einen Webshop erstellen zu lassen?+
Welches Shopsystem ist das beste?+
Ist WooCommerce günstiger als Shopify?+
Wie lange dauert es, einen Onlineshop aufzubauen?+
Brauche ich eine ERP-Anbindung?+
Erst die Anforderungen, dann das System.
Wir helfen euch bei der Systementscheidung, bevor Budget gebunden ist — und setzen um, wenn es passt.
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