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Agentur & Strategie

Website erstellen:
Agentur oder nicht?

Drei Wege, drei Kostenmodelle, drei Risikoprofile. Und die zwölf Fragen, die vor jeder Beauftragung geklärt sein sollten.

21. Juli 2026 11 Min Lesezeit

Es gibt keine allgemein richtige Antwort auf die Frage, ob ihr eure Website von einer Agentur erstellen lassen solltet. Es gibt nur eine richtige Antwort für euren Fall — und die hängt an drei Größen: wie viel eure Website zum Umsatz beitragen soll, wie viel interne Zeit ihr wirklich habt und wie hoch euer Risiko ist, wenn etwas schiefgeht. Dieser Artikel führt euch durch den Vergleich, ohne die Agentur zum Standard zu erklären. Manchmal ist ein Freelancer besser. Manchmal reicht ein Baukasten. Und manchmal ist die Agentur die einzige Option, die am Ende nicht doppelt kostet.

Drei Wege im direkten Vergleich

KriteriumSelbst / BaukastenFreelancerAgentur
Kosten0–1.500 €2.500–12.000 €8.000–45.000 €
Euer Zeitaufwand40–120 Std.15–30 Std.10–20 Std.
Dauer2–8 Wochen4–10 Wochen8–16 Wochen
Strategie & Konzeptkeineje nach Personeingeplant
DesignTemplatemeist gutindividuell
SEO-Substanzgeringunterschiedlichsystematisch
Ausfallrisikogeringhoch (eine Person)gering (Team)
Betreuung danachselbstwenn Zeit istvertraglich

Die interessanteste Zeile ist die zweite. Ein Baukasten kostet fast kein Geld, aber 40 bis 120 Stunden eurer Zeit. Wenn eure Stunde intern 60 € wert ist, kostet die „kostenlose“ Website 2.400 bis 7.200 € an Opportunitätskosten — und ihr habt danach ein Template, das ihr selbst warten müsst. Das ist kein Argument gegen Baukästen, aber gegen die Illusion, sie seien gratis.

Ab wann sich eine Agentur rechnet

Wir nutzen im Erstgespräch eine einfache Rechnung: Was ist euch ein zusätzlicher Kunde wert, und wie viele braucht ihr, damit sich die Website amortisiert? Ein Handwerksbetrieb mit 8.000 € durchschnittlichem Auftragswert braucht zwei zusätzliche Aufträge, um eine 15.000-€-Website zu bezahlen. Ein Online-Shop mit 45 € Warenkorb braucht ein paar hundert Bestellungen. Beides kann realistisch oder utopisch sein — aber es ist rechenbar.

  • Agentur sinnvoll ab: Website soll aktiv Leads bringen, mehrere Leistungen sollen ranken, mehrere Disziplinen greifen ineinander (Design, Text, SEO, Technik)
  • Freelancer sinnvoll bei: klar umrissenem Projekt, vorhandenem Corporate Design, eigener Textkompetenz im Haus
  • Baukasten sinnvoll bei: Einzelunternehmen, lokalem Geschäft ohne Online-Vertrieb, Budget unter 2.000 €

Nicht jede Agentur ist dieselbe Agentur

TypStärkeSchwächePassend für
Full-Service-Agenturalles aus einer Handteurer, mehr ProzessMarke + Website + Marketing
WebagenturTechnik, Umsetzung, Performancewenig MarkenarbeitWebsite als Kern
Design-Studiostarke GestaltungTechnik oft zugekauftmarkengetriebene Auftritte
Performance-AgenturConversion, Ads, Messbarkeitwenig IndividualdesignWebsites mit Leadfokus
IT-DienstleisterSysteme, SchnittstellenDesign und Text schwachPortale, komplexe Logik

Fragt konkret nach dem Anteil: Wie viel Prozent des Umsatzes macht die Agentur mit Websites? Wer zu 90 Prozent Social-Media-Betreuung verkauft und nebenbei Websites baut, hat kein eingespieltes Web-Team. Das muss kein Ausschlusskriterium sein, aber ihr solltet es wissen.

Das Briefing, das Angebote vergleichbar macht

Wenn drei Agenturen drei völlig unterschiedliche Angebote schicken, liegt das fast immer am Briefing. Ohne gemeinsame Grundlage kalkuliert jede etwas anderes — und ihr vergleicht Äpfel mit Motorrädern. Ein gutes Briefing passt auf zwei Seiten:

  1. 1Ausgangslage: Was habt ihr heute, was funktioniert nicht?
  2. 2Ziel: Was soll die Website in zwölf Monaten leisten — in Zahlen?
  3. 3Zielgruppe: Wer soll sie nutzen, mit welcher Frage kommt diese Person?
  4. 4Umfang: Wie viele Seiten, welche Funktionen, mehrsprachig?
  5. 5Vorhandenes: Logo, Corporate Design, Fotos, Texte, bestehendes Hosting
  6. 6Budgetrahmen: eine ehrliche Spanne, keine Geheimniskrämerei
  7. 7Zeitrahmen: gibt es einen fixen Termin, etwa eine Messe?
  8. 8Entscheidungsweg: Wer entscheidet intern, wie viele Freigabeschleifen?

Zwölf Fragen, die jede Agentur beantworten können muss

  1. 1Wer arbeitet konkret an unserem Projekt — Namen, Rollen, Erfahrung?
  2. 2Zeigt uns zwei Projekte, die unserem ähneln, mit Ergebnissen nach zwölf Monaten.
  3. 3Wie geht ihr vor, bevor ihr das erste Design zeigt?
  4. 4Welches System setzt ihr ein und warum genau dieses?
  5. 5Wer kann die Website nach dem Launch pflegen — wir, ihr, beide?
  6. 6Wem gehören Code, Designdateien und Zugänge nach Projektende?
  7. 7Wie viele Korrekturschleifen sind im Preis enthalten?
  8. 8Was kostet es, wenn wir nach Launch eine neue Unterseite brauchen?
  9. 9Wie stellt ihr sicher, dass die Seite technisch bei Google sauber ankommt?
  10. 10Wie testet ihr — Geräte, Browser, Barrierefreiheit, Ladezeit?
  11. 11Was passiert, wenn wir nach drei Monaten unzufrieden sind?
  12. 12Welche laufenden Kosten entstehen und wofür genau?

Frage sechs entscheidet öfter über die nächsten fünf Jahre als das ganze Design-Portfolio. Wer euch Code und Zugänge nicht geben will, verkauft euch keine Website, sondern eine Abhängigkeit."

Angebote richtig vergleichen

Vergleicht niemals nur die Endsumme. Legt die Angebote nebeneinander und prüft, was jeweils enthalten ist. In der Praxis reicht eine kleine Tabelle mit sechs Zeilen:

PositionWorauf ihr achtet
KonzeptphaseEnthalten oder „auf Zuruf“? Ohne Konzept wird das Design zur Geschmacksfrage.
TexteWer schreibt? Falls ihr — habt ihr die Kapazität wirklich?
BilderShooting enthalten, Stock inklusive Lizenz, oder liefert ihr?
KorrekturschleifenAnzahl fixiert oder offen? Offene Schleifen sind Nachtragsrisiko.
TestingEigener Posten oder verschwiegen? Ohne Testing wird der Kunde zum Tester.
Nach dem LaunchGewährleistung, Wartungsvertrag, Stundensatz für Änderungen

Warnsignale, bei denen ihr weitersuchen solltet

  • Ein Festpreis ohne jede Rückfrage zu eurem Geschäft — dann ist es ein Template
  • „Garantiert Platz 1 bei Google“ — das kann niemand garantieren, auch Google nicht
  • Portfolio zeigt nur Logos von Kunden, keine echten Projekte mit Ergebnissen
  • Der Verkäufer im Erstgespräch taucht danach nie wieder auf
  • Kein Impressum mit ladungsfähiger Adresse, keine erreichbare Telefonnummer
  • Vertrag mit 24 Monaten Laufzeit für eine einmalige Website-Erstellung
  • Zugänge zu Domain oder Hosting laufen ausschließlich über die Agentur

Was gute Zusammenarbeit ausmacht

  • Ein Ansprechpartner auf jeder Seite, mit Entscheidungsbefugnis
  • Feste Termine statt loser Abstimmung: alle zwei Wochen 30 Minuten reichen meist
  • Feedback gebündelt und schriftlich, nicht in fünf einzelnen Mails über drei Tage
  • Freigaben verbindlich: Was freigegeben ist, wird nicht drei Wochen später neu diskutiert
  • Änderungswünsche jenseits des Scopes ausdrücklich als solche behandeln und beauftragen

Der größte Kostentreiber in Website-Projekten sind nicht Agenturstundensätze, sondern Entscheidungsschleifen. Ein Projekt mit klarem Ansprechpartner und verbindlichen Freigaben läuft regelmäßig 30 Prozent günstiger als dasselbe Projekt mit einem sechsköpfigen Entscheidergremium.

Nächster Schritt

Erstgespräch ohne Verkaufsdruck

Erzählt uns von eurem Vorhaben. Wir sagen euch ehrlich, ob eine Agentur die richtige Wahl ist, was realistisch machbar ist — und wenn es nicht passt, empfehlen wir jemanden, der besser passt.

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FAQ

Häufige Fragen

Was kostet eine Website bei einer Agentur?+
Zwischen 8.000 € für kleinere Unternehmenswebsites und 45.000 € für umfangreiche Projekte mit vielen Seiten oder Funktionen. Freelancer liegen bei 2.500–12.000 €, Baukastenlösungen unter 1.500 € plus erheblichem Eigenaufwand.
Agentur oder Freelancer — was ist besser?+
Ein Freelancer ist günstiger und oft schneller, wenn das Projekt klar umrissen ist und Design, Text und Technik nicht gleichzeitig gebraucht werden. Eine Agentur lohnt sich, sobald mehrere Disziplinen aufeinander abgestimmt werden müssen oder Ausfallsicherheit wichtig ist.
Woran erkenne ich eine seriöse Webagentur?+
An echten Referenzprojekten mit Ergebnissen, an namentlich genannten Projektbeteiligten, an einem transparenten Vorgehen vor dem ersten Design und daran, dass Code, Designdateien und Zugänge vertraglich euch gehören.
Wie lange dauert eine Website mit einer Agentur?+
8–16 Wochen sind realistisch. Verzögerungen entstehen meist durch fehlende Inhalte auf Kundenseite oder unklare Entscheidungswege, selten durch die Agentur selbst.
Sollte ich mehrere Agenturen anfragen?+
Drei bis vier reichen. Mehr Angebote bringen selten neue Erkenntnisse, kosten aber viel Zeit. Wichtiger als die Anzahl ist ein identisches Briefing an alle, damit die Angebote vergleichbar werden.
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