Wenn ein Website-Projekt aus dem Ruder läuft, liegt die Ursache fast nie in der Umsetzung. Sie liegt darin, dass niemand vorher festgelegt hat, was die Website eigentlich erreichen soll und für wen. Ohne diese Festlegung wird jede Designentscheidung zur Geschmacksfrage, jede Diskussion zur Meinungsrunde und jede Freigabe zum Kompromiss. Ein Website-Konzept ist die Antwort darauf — und es ist keine Agenturbürokratie, sondern der günstigste Teil des Projekts. Es kostet zwischen fünf und fünfzehn Prozent des Budgets und verhindert regelmäßig Nacharbeiten in Höhe des Doppelten.
Warum ohne Konzept alles teurer wird
Änderungen kosten in jeder Projektphase ungefähr das Fünffache der vorherigen. Eine Seite im Konzept zu streichen kostet fünf Minuten. Sie nach dem Design zu streichen kostet einen halben Tag. Sie nach der Entwicklung zu streichen kostet zwei Tage plus Umbau der Navigation und Weiterleitungen.
| Ohne Konzept | Mit Konzept |
|---|---|
| Design wird nach Geschmack diskutiert | Design wird an Zielen gemessen |
| Seitenanzahl wächst während des Projekts | Umfang steht fest, Änderungen sind Change Requests |
| Texte entstehen parallel zur Umsetzung | Inhalte sind vor dem Design definiert |
| Jede Freigabeschleife bringt neue Ideen | Freigaben bauen aufeinander auf |
| Nach Launch: „das war so nicht gemeint“ | Nach Launch: messbare Zielerreichung |
Schritt 1: Ziele messbar machen
„Moderner wirken“ ist kein Ziel, sondern ein Gefühl. Formuliert stattdessen, was sich verändern soll, woran ihr es merkt und bis wann. Drei bis fünf Ziele reichen — mehr lassen sich nicht gleichzeitig priorisieren.
- Statt „mehr Besucher“: 40 qualifizierte Anfragen pro Quartal statt aktuell 14
- Statt „besser gefunden werden“: Top-5-Position für vier definierte Suchbegriffe binnen zwölf Monaten
- Statt „professioneller aussehen“: Absprungrate auf Leistungsseiten von 68 auf unter 50 Prozent
- Statt „Personal finden“: 20 Initiativbewerbungen pro Jahr über die Karriereseite
- Statt „entlasten“: 30 Prozent weniger Standardanfragen am Telefon durch bessere Informationen
Schritt 2: Zielgruppen und ihre Anlässe
Verzichtet auf ausgedachte Personas mit Namen und Hobbys. Nützlicher ist eine Tabelle: Wer kommt, mit welchem Anlass, mit welcher Frage, in welchem Zustand — und was soll diese Person tun?
| Wer | Anlass | Frage | Gewünschte Handlung |
|---|---|---|---|
| Neukunde B2B | Recherche vor Anfrage | Können die das für unsere Größe? | Anfrage über Formular |
| Bestandskunde | Sucht Ansprechpartner | Wer ist zuständig? | Direktkontakt |
| Bewerber | Prüft Arbeitgeber | Wie ist es dort zu arbeiten? | Kurzbewerbung |
| Presse/Partner | Sucht Fakten | Wer sind die, wie groß? | Fakten und Kontakt |
Diese Tabelle beantwortet direkt die Frage nach der Seitenstruktur: Jede Zeile braucht mindestens einen klaren Weg durch die Website.
Schritt 3: Wettbewerb einordnen
Nicht um zu kopieren, sondern um zu wissen, wogegen ihr antretet. Schaut euch drei bis fünf direkte Wettbewerber an und notiert nüchtern:
- Welche Leistungen bewerben sie prominent, welche nicht?
- Wie argumentieren sie Preis und Qualität?
- Welche Inhalte haben sie, die ihr nicht habt — und umgekehrt?
- Wie schnell laden ihre Seiten, wie gut funktionieren sie mobil?
- Für welche Suchbegriffe ranken sie, für die ihr nicht sichtbar seid?
Der wichtigste Ertrag dieser Analyse ist die Antwort auf eine einzige Frage: Was könnt ihr sagen, das die anderen nicht sagen können? Wenn es darauf keine Antwort gibt, ist das kein Website-Problem, sondern ein Positionierungsproblem.
Schritt 4: Die Sitemap
Jetzt entsteht die Struktur — und zwar aus zwei Quellen gleichzeitig: aus den Wegen eurer Zielgruppen und aus der Keyword-Recherche. Beides gehört zusammen, sonst baut ihr entweder an der Suche vorbei oder am Nutzer.
- 1Alle Themen sammeln, die auf die Website sollen — ungeordnet, als Liste
- 2Keyword-Recherche: Welche Suchbegriffe gehören zu diesen Themen, mit welchem Volumen?
- 3Suchintentionen clustern: Was gehört auf eine Seite, was braucht eine eigene?
- 4Hierarchie bilden: Hauptnavigation, zweite Ebene, Fußbereich
- 5Prüfen: Ist jede wichtige Seite in maximal drei Klicks erreichbar?
- 6Prüfen: Hat jede Seite genau einen Zweck und eine Zielhandlung?
Schritt 5: Der Content-Plan
Hier scheitern die meisten Projekte am Zeitplan. Der Content-Plan legt für jede Seite fest, was drauf soll, wer es liefert und bis wann. Eine Tabelle mit fünf Spalten reicht:
| Seite | Zielkeyword | Kernbotschaft | Verantwortlich | Frist |
|---|---|---|---|---|
| Startseite | — | Positionierung in einem Satz | Geschäftsführung | KW 12 |
| Leistung A | leistung a stadt | Ablauf, Nutzen, Preisrahmen | Fachbereich | KW 13 |
| Referenzen | — | 3 Projekte mit Zahlen | Vertrieb | KW 13 |
| Karriere | job bezeichnung stadt | Arbeitsalltag, Konditionen | Personal | KW 14 |
Ohne namentliche Verantwortlichkeit und Frist passiert nichts. „Das Team liefert die Texte“ bedeutet in der Praxis: Niemand liefert die Texte, und das Projekt steht sechs Wochen still.
Schritt 6: Wireframes
Wireframes zeigen Anordnung und Priorität ohne Gestaltung — bewusst grau, ohne Schriftauswahl, ohne Bilder. Genau das ist ihr Wert: Solange nichts hübsch ist, diskutiert niemand über Farben, sondern über Inhalt und Reihenfolge.
- Nicht jede Seite wireframen — ein Wireframe je Seitentyp reicht
- Immer in der mobilen Variante beginnen, dann die breite Ansicht ableiten
- Echte Überschriften und echte Kernaussagen eintragen, keinen Blindtext
- Zielhandlung je Seite markieren: Was soll der Nutzer hier tun?
- Freigabe einholen, bevor das Design startet — schriftlich
Die Konzept-Vorlage: acht Abschnitte
- 1Ausgangslage: Was gibt es heute, was funktioniert nicht, welche Zahlen liegen vor?
- 2Ziele: drei bis fünf, messbar, mit Primärziel
- 3Zielgruppen: Tabelle mit Anlass, Frage und gewünschter Handlung
- 4Wettbewerb: fünf Anbieter, Stärken, Lücken, eure Abgrenzung
- 5Sitemap: vollständige Struktur mit Zielkeyword je Seite
- 6Content-Plan: Verantwortliche und Fristen je Seite
- 7Funktionen: was die Website können muss, getrennt nach Muss und Kann
- 8Rahmen: Budget, Termine, Entscheidungsweg, technische Vorgaben
Umfang: acht bis fünfzehn Seiten. Wer daraus ein 60-seitiges Dokument macht, produziert Aufwand statt Klarheit — gelesen wird es dann ohnehin nicht.
„Das beste Konzept ist das, an das sich alle Beteiligten in Woche zwölf noch erinnern. Kürze ist deshalb keine Nachlässigkeit, sondern Voraussetzung."
Konzeptphase als eigener Schritt
Wir erarbeiten das Konzept auch unabhängig von der Umsetzung — als Grundlage, mit der ihr Angebote vergleichen könnt, egal wer am Ende baut.
Konzept anfragenHäufige Fragen
Was gehört in ein Website-Konzept?+
Was kostet ein Website-Konzept?+
Kann ich das Konzept selbst schreiben?+
Wie lange dauert die Konzeptphase?+
Brauche ich Wireframes, wenn ich der Agentur vertraue?+
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